
Ak-Baur-Höhle
Die archäologische Ausgrabungsstätte um die Ak-Baur-Höhle ist ein Rätsel der Bronzezeit im Herzen Ostkasachstans.
Nur etwa 38 Kilometer südlich von Öskemen verbirgt sich eines der geheimnisvollsten und ältesten archäologischen Denkmäler Kasachstans. Die Ak-Baur-Höhle – auch Akbauyr genannt – liegt in den sanften Granitbergen des Kalba-Gebirges und gehört zu den bedeutendsten prähistorischen Kultstätten Zentralasiens. Beeindruckt ist nicht ihre Größe, sondern die uralten Felsmalereien, rätselhaften Symbole und ihre bis heute nicht vollständig entschlüsselte Geschichte.
Archäologen datieren die Entstehung der Kultstätte auf das 3. bis 2. Jahrtausend v. Chr. Damit gehört Ak-Baur zu den ältesten bekannten Heiligtümern Kasachstans. Die eigentliche Grotte ist nur etwa neun Meter lang, ist weitestgehenst offen und wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Erst beim Betreten fällt der Blick auf die mit rotem Ocker gemalten Zeichen an der Decke und den Wänden. Insgesamt wurden rund 80 bis 90 Zeichnungen dokumentiert, darunter Menschen, Bergziegen, Wagen, jurtenähnliche Behausungen sowie zahlreiche geometrische Symbole und geheimnisvolle Zeichen.
Bis heute ist unklar, welche Bedeutung diese Malereien hatten. Einige Wissenschaftler sehen in ihnen religiöse Darstellungen oder Schilderungen des Alltags bronzezeitlicher Hirten. Andere vermuten, dass die Symbole eine der frühesten Formen bildlicher Kommunikation oder sogar eine Vorstufe der Schrift darstellen könnten.
Besonders faszinierend ist eine Theorie, dass es sich bei der Ak-Baur-Höhle um ein urzeitliches Sonnenobservatorium handelt. Denn im Dach der Grotte befindet sich eine natürliche, nahezu herzförmige Öffnung, die menschliche Bearbeitungsspuren aufweist und durch die das Sonnenlicht in den Innenraum fällt. Auch auf dem Boden und der Wand entdeckten neben den ockerfarbenen Malerien künstlich bearbeiteten Vertiefungen in den Granitfelsplatten. Auch bietet die Höhle einen Ausblick gen Westen um den jährlichen Sonnenuntergang zu beobachten. Man vermutet daher, dass die Anlage zur Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen genutzt wurde.
Auf jeden Fall kann man von der Ak-Baur-Höhle durch die Gipfel des Kalba-Gebirges (Winter-Tag-und-Nachtgleiche), des pyramidenförmigen Berg Sorokina (Beginn der frostfreien Zeit) und einer weiter nordwestlich (weiter rechts) befindlichen Felsnadel (Sommer-Tag-und-Nachtgleiche) bestimmen. Deshalb wird Ak-Baur gelegentlich auch als das „Stonehenge Kasachstans“ bezeichnet – nicht wegen seines Aussehens, sondern aufgrund seiner möglichen astronomischen Funktion.
Für den Besucher ist nicht nur die Grotte interessant, denn sie bildet nur das Zentrum eines weitläufigen archäologischen Komplexes. In der Umgebung befinden sich auch bronzezeitliche Grabhügel, weitere Petroglyphen sowie megalithische Steinsetzungen. Zusammen zeichnen sie das Bild eines bedeutenden religiösen und kulturellen Zentrums, das über viele Jahrhunderte genutzt wurde. Grabungen der letzten Jahre haben auch Siedlungsreste der Saka freigelegt. Dabei hat man Behausungen sowie Reste von Schmiedeöfen entdeckt. Diese Entdeckungen legen nahe, dass die bisher als Nomaden bezeichneten Saka wohl teilweise auch seßhaft waren und in den Öfen ihre weltbekannte Schmiedekunst für Schmuck und Waffen entwickelt haben.
Die weniger geschichtsinteressierten Touristen sollten die Landschaft genießen. Denn von den Granitfelsen eröffnet sich zudem ein weiter Blick über die hügelige, karge und felsige Steppenlandschaft Ostkasachstans. Gerade in den Morgen- oder Abendstunden sorgt das warme Licht für eine besondere Atmosphäre und macht Ak-Baur auch landschaftlich zu einem lohnenden Ausflugsziel.
Trotz jahrzehntelanger Forschung hat Ak-Baur seine Geheimnisse bis heute noch nicht vollständig preisgegeben. Und man kann gespannt sein, was in den nächsten Jahren noch in der Umgebung der Höhle entdeckt wird. Auf jeden Fall sollte man, wenn man Ostkasachstan bereist, sich diesen außergewöhnlichen Ort nicht entgehen lassen. Zwischen uralten Felszeichnungen, stillen Granitbergen und beeindruckender Natur des Kalba-Gebirges verbindet die Ak-Baur-Höhle menschliche Frühgeschichte, Archäologie und Landschaft auf einzigartige Weise – und gehört damit zu den faszinierendsten Kulturdenkmälern der Region Ostkasachstans.
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