
Felsformation Kiin Kerish in Ostkasachstan
Die einzigartige Felsformation Kiin Kerish sind die farbenfrohen „Flammenden Klippen“ im Osten Kasachstans.
Im Osten Kasachstans, unweit des Zaisan-Sees, verbirgt sich eine Landschaft, die auf den ersten Blick kaum an die endlosen Steppen Zentralasiens erinnert. Statt grüner Wiesen oder schneebedeckter Berge erwarten Besucher hier leuchtend rote, orange, gelbe und weiße Felsformationen, die wie eine surreale Mond- oder Marslandschaft wirken. Kiin Kerish zählt zu den außergewöhnlichsten Naturwundern Kasachstans und wird nicht ohne Grund auch als „Stadt der Geister“ oder „Flammende Klippen“ bezeichnet.
Kiin Kerish liegt im Bezirk Kürschim in der Region Ostkasachstan, rund 15 Kilometer nördlich des Zaisan-Sees. Erst wenn man die letzten Kilometer über eine Schotterpiste zurückgelegt hat, öffnet sich plötzlich ein weitläufiges Tal voller bizarrer Felsformationen. Wind und Wasser haben hier über Millionen von Jahren die unterschiedlich gefärbten Tonschichten freigelegt und daraus eine spektakuläre Landschaft aus Schluchten, Türmen und kleinen Hügeln geformt.
Je nach Sonnenstand wechseln die Farben ständig. Morgens dominieren helle Gelb- und Orangetöne, während die Felsen am Abend in kräftigem Rot leuchten und tatsächlich wie lodernde Flammen erscheinen. Gerade zur goldenen Stunde gehört Kiin Kerish deshalb zu den beliebtesten Fotomotiven Ostkasachstans.
Nicht nur landschaftlich, sondern auch geologisch ist Kiin Kerish von großer Bedeutung. Die Gesteinsschichten entstanden vor rund 30 bis 40 Millionen Jahren, als das Klima in dieser Region noch subtropisch war. Damals wuchsen hier Magnolien, Palmen, Araukarien und Ginkgobäume, deren fossile Überreste bis heute in den Sedimenten erhalten geblieben sind.
Auch Fossilien ausgestorbener Tiere wurden hier entdeckt. Wissenschaftler fanden Überreste von Krokodilen, Schildkröten, Salamandern und urzeitlichen Säugetieren, die belegen, dass Ostkasachstan einst eine völlig andere Landschaft war als heute. Aus diesem Grund gilt Kiin Kerish als eines der bedeutendsten paläontologischen Naturdenkmäler Kasachstans.
Rund um Kiin Kerish ranken sich zahlreiche Legenden. Eine der bekanntesten erzählt von einer einst wohlhabenden Stadt, deren Bewohner ausschließlich nach Reichtum und kostbaren Edelsteinen strebten. Eines Nachts sollen sie im Mondlicht unzählige funkelnde Steine entdeckt haben. Doch anstatt sie an sich zu nehmen, erkannten sie, dass wahre Schätze nicht aus Gold oder Edelsteinen bestehen, sondern aus Freundschaft, Zusammenhalt und einem friedlichen Leben.
Seitdem, so erzählt die Sage, erscheint die geheimnisvolle Stadt nur noch bei Sonnenuntergang oder im Licht des Mondes zwischen den roten Felsen. Tagsüber bleibt sie als scheinbar verlassene Landschaft aus bunten Lehmhügeln verborgen – weshalb Kiin Kerish bis heute den Beinamen „Stadt der Geister“ trägt.
Kiin Kerish gehört noch immer zu den weniger besuchten Naturattraktionen Kasachstans. Die Anfahrt erfolgt über unbefestigte Straßen, Wegweiser sind nur spärlich vorhanden und Schatten sucht man in der offenen Landschaft vergeblich. Gerade deshalb sollten Besucher ausreichend Trinkwasser, Sonnenschutz und möglichst ein geländegängiges Fahrzeug einplanen.
Wer die Mühe der Anreise auf sich nimmt, wird jedoch mit einer Landschaft belohnt, die ihresgleichen sucht. Zwischen den farbigen Felsen herrscht eine fast vollständige Stille, unterbrochen lediglich vom Wind, der durch die Schluchten streicht. Besonders Fotografen und Naturliebhaber finden hier Motive, die eher an den amerikanischen Südwesten oder den Mars als an Zentralasien erinnern.
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