
Radon-See im Westlichen Altaigebirge
Der Radon-See im westlichen Altaigebirge ist ein wunderschöner Bergsee der seinen Namen einem Grubenunfall verdankt.
Versteckt in den Bergen Ostkasachstans, unweit der Bergbaustadt Ridder, liegt einer der ungewöhnlichsten Seen des Landes. Der sogenannte Radon-See – früher auch Podbelkovoye-See genannt – begeistert Besucher mit seinem glasklaren Wasser, steilen rot- und graufarbenen Felsen und einer beeindruckenden Gebirgskulisse mit dem Berg Woroschilow. Doch nicht nur die landschaftliche Schönheit macht diesen Ort so besonders. Seine Entstehung ist eng mit der Bergbaugeschichte des Altaigebirges verbunden und verleiht dem See bis heute eine geheimnisvolle Aura.
Der Radon-See liegt am Fuß des Iwanowski-Gebirges (Iwanowski Chrebet), einem Teil des kasachischen Altaigebirges. Dichte Birkenwälder am Fuße des Gebirges und Nadelwälder in höheren Höhen, mächtige Felsformationen und die umliegenden Gipfel prägen die Landschaft. An windstillen Tagen spiegeln sich die Berge nahezu perfekt im klaren Wasser und schaffen eine eindrucksvolle Kulisse für Wanderer und Fotografen.
Das Wasser des Sees ist selbst im Hochsommer außergewöhnlich kalt. Gespeist wird er von mehreren Gebirgsquellen, deren kristallklares Wasser direkt aus den Granitbergen austritt und in kleinen Wasserfällen in den See gelangt. Die abgeschiedene Lage fernab größerer Ortschaften, Ridder ist Luftlinie 25 Kilometer entfernt, macht den Radon-See zu einem beliebten Ziel für Naturliebhaber, die die Ruhe und die durch seltene Wildblumen buntgefärbten Bergwiesen die den See umfassen genießen möchten.
Die Geschichte des Radon-Sees begann Anfang der 1970er-Jahre. Damals suchte sowjetische Geologen aus Ridder in den umliegenden Bergen nach neuen Erz- und Edelmetallvorkommen. Zu diesem Zweck wurde zuerst eine rund elf Kilometer lange Zufahrtsstraße angelegt und anschließend zwei Erkundungsstollen tief in den Fels getrieben.
Heute erinnern die beiden dunklen aber versiegelten Stolleneingänge noch immer an diese Zeit. Sie wirken wie offene Wunden im Gestein und bilden damit einen spannenden Kontrast zur unberührten Natur. Tatsächlich wurde hier jedoch niemals mit der Förderung von Erzen begonnen. Denn die Geologen fanden zwar wertvolle Mineralvorkommen, stießen dabei aber auch unerwartet auf Radongas.
Da sofort in den Erkundungsstollen das radioaktives Radongas austrat, mussten sämtliche Arbeiten eingestellt werden. Die Holzgebäude der Erkundungsstation verschwanden im Laufe der Jahre, lediglich die beiden versiegelten Stollen blieben erhalten. Aus ihnen fließt bis heute mit Radongas angereichertes Wasser, das schließlich den Bergsee speist.
Radon ist ein natürlich vorkommendes Edelgas, das beim Zerfall von Uran in Gesteinen entsteht. In hoher Konzentration stellt es ein Gesundheitsrisiko dar. Gelangt es jedoch in sehr geringen Mengen in Mineralquellen, wird ihm seit vielen Jahrzehnten eine therapeutische Wirkung zugeschrieben. Aus diesem Grund existieren unter anderem in Deutschland, Österreich, Tschechien und Japan zahlreiche Radonheilbäder.
Deshalb keine Angst: Auch am Radon-See tritt das Wasser nur mit sehr niedrigen Radonkonzentrationen aus den Stollen aus. Deshalb entwickelte sich auch schnell die Überzeugung, dass das Wasser eine wohltuende Wirkung auf Gelenke, Muskeln und die Haut haben könne. Wissenschaftlich sind viele dieser Effekte bis heute umstritten, dennoch zieht der See zahlreiche Besucher an, die das kalte Wasser zumindest einmal ausprobieren möchten.
Heute gehört der Radon-See zu den schönsten Naturzielen rund um Ridder. Besonders im Sommer unternehmen viele Besucher Wanderungen entlang des Ufers oder verbringen einige Stunden beim Picknick zwischen den Felsen und Wäldern. Wer mutig ist, wagt sogar ein Bad im eiskalten Wasser – eine erfrischende Erfahrung, die viele Einheimische jedes Jahr aufs Neue suchen.
Aber auch Fotografen schätzen den See vor allem wegen der Spiegelungen der umliegenden Berge im klaren tiefblauen Wasser sowie die außergewöhnliche Kombination aus unberührter Natur und den Relikten der ehemaligen geologischen Erkundung. Die verlassenen Stollen in den Bergflanken verleihen dem Ort weiterhin eine geheimnisvolle Atmosphäre und erzählen auch ein spannendes Kapitel der Industriegeschichte Ostkasachstans.
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