Entdecke Kasachstan - See Markakol in der Altai von Kasachstan
Region Ostkasachstan

See Markakol in Ostkasachstan

Der riesige und schöne See Markakol ist ein verborgenes noch schwer zu erreichendes Naturparadies in der kasachischen Altai.

Im äußersten Osten Kasachstans, nur wenige Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt, liegt einer der schönsten und zugleich abgelegensten Seen des Landes: der Markakol. Eingebettet zwischen den bewaldeten Gebirgszügen des südlichen Altai begeistert der rund 1.450 Meter hoch gelegene Bergsee mit kristallklarem Wasser, dichten Nadelwäldern und einer nahezu unberührten Natur. Wer den langen Weg bis hierher auf sich nimmt, wird mit einer Landschaft belohnt, die zu den eindrucksvollsten in ganz Kasachstan zählt.

Mit einer Länge von rund 38 Kilometern und einer Breite von bis zu 19 Kilometern zählt der Markakol zu den größten Hochgebirgsseen Kasachstans. Etwa 100 Bäche und Gebirgsflüsse speisen den See, während nur ein einziger Fluss – der Kalzhyr – das Wasser wieder verlässt und schließlich in den Irtysch mündet. Die umliegenden Berge des Kürschim- und Azutau-Gebirges schützen den See vor starken Winden und verleihen ihm eine außergewöhnlich ruhige Atmosphäre.

Je nach Jahreszeit verändert der Markakol sein Erscheinungsbild. Im Sommer schimmert das Wasser tiefblau und spiegelt die umliegenden Wälder wider. Bereits im Oktober beginnt der See zuzufrieren und bleibt oft bis in den Mai hinein von einer dicken Eisdecke bedeckt. Mit Wintertemperaturen von bis zu minus 55 Grad Celsius gehört die Region zu den kältesten Gebieten Kasachstans.

Um die einzigartige Landschaft zu schützen, wurde bereits 1976 das Markakol-Naturreservat gegründet. Heute umfasst das Schutzgebiet einen Großteil des Seebeckens und gehört seit 2022 außerdem zum UNESCO-Biosphärenreservat. Die abgeschiedene Lage hat dazu beigetragen, dass sich hier viele Tier- und Pflanzenarten bis heute nahezu ungestört entwickeln konnten.

Rund um den See wachsen über 700 Pflanzenarten. In den Wäldern leben Braunbären, Marale, Elche, Luchse und mit etwas Glück sogar der seltene Schneeleopard. Auch Vogelbeobachter kommen auf ihre Kosten, denn zahlreiche Wasservögel und Greifvögel finden am Markakol ideale Lebensbedingungen. Im klaren Wasser leben mehrere endemische Fischarten, darunter der Markakol-Lenok und die Sibirische Äsche.

Gerade weil der Markakol weit entfernt von den bekannten Touristenrouten liegt, hat sich seine Ursprünglichkeit bis heute erhalten. Die Anreise erfolgt meist über Schotterstraßen und Gebirgspässe, weshalb ein geländegängiges Fahrzeug empfehlenswert ist. Für viele Reisende gehört jedoch genau diese Fahrt durch die abgelegene Berglandschaft bereits zum Erlebnis.

Vor Ort im Dorf Urunchaika  erwarten Besucher keine großen Hotelanlagen oder touristischen Attraktionen, sondern einfach Berghütten und Home-Stays bei kasachischen Familien in einer beeindruckende Ruhe. Wanderungen entlang des Ufers, Bootsfahrten oder Vogelbeobachtungen gehören zu den beliebtesten Aktivitäten. Besonders in den frühen Morgenstunden liegt oft leichter Nebel über dem ruhigen Wasser, während sich die Gipfel des Altai darin spiegeln.

Wie so viele Landschaften Kasachstans ist auch der Markakol von einer alten Legende umgeben. Vor langer Zeit soll sich an der Stelle des heutigen Sees eine grüne Bergwiese befunden haben, auf der ein alter Hirte seine Schafherde weidete. Unter den Tieren war ein besonders neugieriges Winterlamm, auf Kasachisch „Marka“ genannt, das ständig aus der Herde ausbüxte. Um den kleinen Ausreißer zu bändigen, band ihn der Hirte an einen Holzpflock. Doch das eigensinnige Lamm wollte sich nicht mit seinem Schicksal abfinden. Es scharrte unermüdlich mit den Hufen im Boden, bis sich der Pflock schließlich löste. In genau diesem Moment begann aus dem entstandenen Loch eine Quelle zu sprudeln. Das Lamm stillte zunächst seinen Durst und lief anschließend fröhlich zurück zur Herde. Währenddessen strömte immer mehr Wasser aus der Quelle, bis schließlich das gesamte Tal überflutet wurde und ein großer, tiefblauer Bergsee entstand. Zum Andenken an das hartnäckige Tier erhielt der See den Namen Markakol, was sinngemäß „See des Winterlamms“ bedeutet.

Der Markakol ist durch die lange und schwere Anreise kein Reiseziel für einen kurzen Zwischenstopp, sondern für alle, die die ursprüngliche Natur Kasachstans erleben möchten. Fernab großer Städte, umgeben von Bergen, Taiga und kristallklarem Wasser zeigt sich hier eine Seite des Landes, die selbst viele Kasachen noch nie gesehen haben. Wer Ostkasachstan bereist und ausreichend Zeit mitbringt, entdeckt am Markakol einen der beeindruckendsten Seen Zentralasiens – ruhig, ursprünglich und von einer außergewöhnlichen landschaftlichen Schönheit.

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